Prof. Dr. Reinhard Lohmiller
Ästhetik, Kultur und Kommunikation · III Pädagogik und Supervision
Kunstpädagogik als Qualifizierung ist im Studium der Sozialen Arbeit implementiert, weil Menschen durch künstlerische Auseinandersetzung zur Gestaltung des eigenen Lebens angeregt, ermutigt und befähigt werden können. Dort wo Sprache als Ausdrucksmöglichkeit nicht genügt, werden non-verbale Zugänge zu Menschen wichtig, um das Repertoire von Ausdruckfähigkeit zu erweitern. Kunstpädagogik ist Teil sozialpädagogischer Arbeit mit künstlerischen Methoden in den Handlungsfeldern Sozialer Arbeit. Dabei geht es um die Vergrößerung der eigenen Gestaltungs- und Handlungsmöglichkeiten und den identitätsstiftenden Aspekt künstlerischer Auseinandersetzung.
Kreatives Gestalten geschieht in der Kunstpädagogik im weitesten Sinne mit bildnerischen Verfahren, wie Zeichnung, Malerei, plastischem Gestalten, Fotografie, Film und auch Performances als zeitlich begrenzte Aktionen. Kunstpädagogik geht subjektzentriert vor und lässt Raum für diese kreativen Prozesse bei Zielgruppen, Kinder, Jugendliche und Erwachsene sind adressiert. Durch den Umgang mit künstlerischen Materialien in Einzel- und Gruppensettings werden Imagination, Fantasie, Gestaltungswillen und die Fähigkeit flexibel und mutig neue Lösungen zu finden gefördert. Dabei sind die vier Ebenen kognitiver, körperlicher, emotionaler und sozialer Lernfelder beteiligt, kreative künstlerische Gestaltung trägt so zur Persönlichkeitsstärkung, zum Selbstwirksamkeitserleben und zur Eigenständigkeit bei.
Kunstpädagogik begleitet diese Prozesse und hat Selbständigkeit und die Verantwortungsübernahme für das eigene Tun zum Ziel. Im Gegensatz zur Kunsttherapie ist das Arbeitsfeld nicht klinisch medizinisch verortet und folgt keiner Therapielogik, sondern zielt auf freie pädagogische Kontexte in Bildungsinstitutionen von der Schulbegleitung, der freien Kinder- und Jugendarbeit bis zur Arbeit mit alten Menschen oder Menschen mit Beeinträchtigungen.
Experimentelles Arbeiten, der Projekt- und Werkstattcharakter sind für die Kunstpädagogik prägend. Kunst ist ein gutes Medium, um eigene Anforderungen, Ausdauer und die Anstrengung zur Zielerreichung sichtbar werden zu lassen, Kunst fördert das eigene Gefühl kompetent zu sein und sich selbst Ziele zu stecken und diese auch eigenständig zu bearbeiten.
Drei aufeinander aufbauende Bereiche gehören zur Qualifizierung Kunstpädagogik:
Ziel ist die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit, die Auseinandersetzung mit ästhetischen Strukturen und Prozessen und die Handlungsfähigkeit vor fachlich theoretischem Hintergrund, wobei das Handeln vor allem auch als produktive Einmischung verstanden wird.
Über drei Studiensemester hinweg werden Veranstaltungen im Curriculum der Sozialen Arbeit in den Bereichen Ästhetik, Kultur und Kommunikation (ÄKK) und dem zweisemestrigen Projekt zusammengefügt. Dies findet im 5. Semester in ÄKK und im Projekt, im 6. Semester im Projekt und im 7. Semester in ÄKK statt. Zur Qualifizierung gehört eine optionale große Exkursion zu einer unserer Partnerhochschulen und zwei Tagesexkursionen zum Kunstmuseum Basel/Karlsruhe und dem Erfahrungsfeld der Sinne Wiesbaden.
Im Kunstraum, der Werkstatt und dem Medienraum der Evangelischen Hochschule und bei Bedarf bei den Kooperationspartnern in unserer Nähe.
Es fallen geringe Kosten für die kleinen Tagesexkursionen an, die Exkursion zu unseren Partnerhochschulen wird von der Hochschule bezuschusst. Ansonsten entstehen keine weiteren Kosten.
Prof. Dr. Reinhard Lohmiller ist Kunstpädagoge und hat am Kunstpädagogik Institut der Universität Frankfurt studiert, weitere Abschlüsse in Frankfurt in Kunstgeschichte und Psychologie. Praktische Schwerpunkte waren Malerei und Fotografie. Die Dissertation zum Thema „Ocker – Monografie einer Farbe“ 1999 ist online verfügbar.
Eigene Arbeiten sind u.a. in der Hochschule ausgestellt und auf der eigenen Künstlerhomepage zu sehen.
Reinhard Lohmiller ist seit 2001 an der Evangelischen Hochschule Freiburg tätig und führt die Qualifizierung Kunstpädagogik in der Sozialen Arbeit seit 2004 und in Pädagogik der Kindheit seit 2010 durch.
Ästhetik, Kultur und Kommunikation · III Pädagogik und Supervision